Die BU-Versicherer im Test

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört zu den wichtigsten aber auch komplexesten Versicherungen. Eine Tatsache, die sich auch an dem Umstand ablesen lässt, das Jahr für Jahr unzählige Verfahren vor Gerichten landen, in denen es um die BU-Versicherung geht. Aus Sicht der Verbraucher ist es wichtig, eine belastbare, sichere und leistungsfähige Absicherung für die Zukunft in den Händen zu halten. Aufgrund der Komplexität keine leichte Aufgabe.

Eine mögliche Hilfestellung – neben der Beratungstätigkeit durch Versicherungsmakler – ist der Griff zu Test- und Ratingergebnissen. Letztere beziehen sich zwar in der Regel nur auf die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gesellschaften, können aber zum Beispiel vor dem Hintergrund der Überschussbeteiligung von Interesse sein. Deutlich mehr Bedeutung seitens der Versicherungsnehmer erwächst dagegen den Tests einzelner Tarife.

Durchgeführt werden diese in der Regel von Verbraucherorganisationen, wie beispielsweise Stiftung Warentest, Zeitungen oder privaten Organisationen. Wie verlässlich und sinnvoll sind solche Testergebnisse für die Suche nach einer BU-Versicherung in der Praxis? Wer vor der Entscheidung zum Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung steht, kann Testergebnisse, wie sie zum Beispiel Stiftung Warentest oder Ökotest liefern, durchaus in die Entscheidungsfindung einbeziehen. Worauf es allerdings ankommt, ist das Auge für die Testbedingungen.

Gerade im Bereich einer Risikoabsicherung, die individuell auf jeden Versicherungsnehmer zugeschnitten wird, arbeiten die Organisationen mit Modellkunden. Letztere haben ein bestimmtes Alter, einen definierten Gesundheitszustand und aufgrund der Lebensumstände einen fest umrissenen Bedarf. Für die Bewertung und Übertragbarkeit der Testergebnisse zur BU-Versicherung ist es deshalb von wesentlicher Bedeutung, inwiefern die eigene Situation mit jener der Modellversicherten übereinstimmt. Speziell, wenn die Unterschiede groß sind, verliert das Testurteil an Wert. Für einen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten legen Tester nun einmal andere Rahmenbedingungen an, als sie für Selbständige gelten. Aber auch wenn die eigene Situation nicht unbedingt zu den Testbedingungen passt – ein Blick auf die Testergebnisse lohnt sich noch aus einem anderen Grund.

Genaues Hinschauen lernen

Verbraucherorganisationen lassen Testergebnisse selten isoliert im Raum stehen. Neben Hinweisen zur Methodik oder einem Verweis auf die harten Fakten, was das Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft, geben Stiftung Warentest, Finanztest und Co. meist auch nützliche Hinweise zu Punkten, die für den einzelnen Versicherungsnehmer an Bedeutung gewinnen. Dazu gehört im Fall der BU-Versicherung beispielsweise das Verweisungsrecht, die Nachversicherungsgarantie und die Problematik der Gesundheitsfragen.

Die intensiver Beschäftigung mit dem einen oder anderen Test zur BU-Versicherung schärft also mit hoher Wahrscheinlichkeit den Blick für wesentliche Fakten und Stolpersteine rund um den Versicherungsvertrag. Eine Tatsache, die sich im weiteren Verlauf als nützlich erweisen kann. Denn eines kann keiner der Tests ersetzen – den Blick ins Kleingedruckte bzw. die Versicherungsbedingungen. Da diese wesentlicher Bestandteil des Versicherungsvertrags sind, müssen sie intensiv und genau geprüft werden, um die Entscheidung zur Berufsunfähigkeitsversicherung später nicht zu bereuen.

Hinweis: Um mit Testergebnisse und Versicherungsvergleichen sinnvoll im eigenen Entscheidungsfindungsprozess arbeiten zu können, sollte sich der Blick auch darauf richten, in welcher Verbindung Gesellschaften und Testorganisation stehen. Während objektive Tests durch Verbraucherorganisationen im Allgemeinen unbedenklich sind, ist an anderer Stelle Vorsicht geboten.

Die BU-Versicherung in der Praxis – Hürden relativ hoch

Ein Schutz gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit ist wichtig. Selbst kritische Verbraucherorganisationen sind sich in dieser Feststellung einig. Was die Tests und Vergleiche der Vergangenheit immer wieder zeigen, ist der enorme Selektionsdruck der Gesellschaften. Ein Urteil, welches beispielsweise Ökotest mit einer Untersuchung aus dem Frühjahr 2012 stützt. Haben Gesellschaften in den Leistungen gut abgeschnitten und waren preislich akzeptabel, war die Annahmepolitik teilweise alles andere als im Interesse der Verbraucher.

Es kann passieren, dass bereits offensichtliche Bagatellerkrankungen zu erheblichen Risikozuschlägen, Ausschlüssen oder gar der Ablehnung führen. Aus Sicht vieler Experten, die regelmäßig in Tests der BU-Versicheurng involviert sind, ein offensichtlicher Mangel. Wer bereits Vorerkrankungen mitbringt oder längere Zeit in Behandlung war, hat mitunter schlechte Karten. Tests können in diesen Situationen durchaus eine Stütze sein, da sie Bedingungen und Konditionen unter die Lupe nehmen, an welche Versicherungsnehmer als Laien selbst nicht denken.

Und aus noch einem Grund kann sich der Blick auf die verschiedenen Testberichte lohnen. Teilweise wird hier untersucht, wie sich die Gesellschaften im Schadensfall verhalten. Denn welchen Nutzen hat die vermeintlich beste Versicherung, wenn sie im Leistungsfall einfach ihre Rechtsabteilungen ins Feld schickt?

Fazit: Vergleiche und Testergebnisse zur Berufsunfähigkeitsversicherung sind allein kein Entscheidungskriterium, auf welches sich Antragsteller stützen sollten. Dennoch stellen sie eine sinnvolle und oft auch objektive Informationsquelle dar, um die Hürden, Hindernisse und Klippen zu umschiffen, welche dem Versicherten beim Abschluss der BU-Versicherung das Genick brechen können.

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