Versicherungsdauer einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Die BU-Versicherung hat zum Ziel, den Einkommensverlust durch Berufsunfähigkeit aufzufangen. Bereits hier können Verbraucher erkennen, dass der zeitliche Geltungsbereich einer solchen Absicherung begrenzt ist – sie reicht maximal bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze. In Deutschland liegt diese derzeit für viele Bürger bereits bei 67 Jahren. Angeboten werden aber auch Versicherungen mit wesentlich kürzeren Endaltern, etwa 62 Jahren oder weniger.

Es stellt sich angesichts dieser Situation die Frage, welche Versicherungsdauer man als interessierter Antragsteller wählen sollte? Grundsätzlich rät zum Beispiel der Bund der Versicherten zu einem Abschluss von Berufsunfähigkeitsversicherungen, die bis zum Ende des Erwerbslebens reichen. Der Grund ist klar: Bei einem Bedarf von 1.500 Euro im Monat, einer BU-Versicherung, die bis 62 reicht, und einem Eintritt der Berufsunfähigkeit mit 63 Jahren bleiben immer noch vier Jahre, die bis zur Regelaltersgrenze zurückzulegen sind.

Renteneintrittsalter Männer Frauen
47 639,05 Euro 637,59 Euro
50 657,61 Euro 615,98 Euro
55 702,76 Euro 605,71 Euro
57 725,25 Euro 596,57 Euro
60 693,07 Euro 483,51 Euro
Ø 661,51 Euro 607,17 Euro

Beispiele zum durchschnittlichen Rentenzahlbetrag der gesetzlichen vollen Erwerbsminderungsrente (Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung, Rentenzugang 2011; Tabellen 201.01 Z u. 201.02 Z)

Unterm Strich liegt die Versorgungslücke hier bei 72.000 Euro. Soviel Kapital ist nötig, um die Frist bis zum Ruhestand zu überbrücken. Für Gutverdiener mit einer entsprechenden Lebensarbeitszeit durchaus machbar. Wer aber früh von der Berufsunfähigkeit getroffen wird, bereut den Griff zu einem niedrigen Endalter sicher.

Betrachtet man die Versicherungslaufzeit der BU-Versicherung aus diesem Blickwinkel, ist ein hohes Endalter empfehlenswert. Das Problem: Statistisch gesehen steigt die Wahrscheinlichkeit für den Eintritt des Versicherungsfalls gerade in den letzten Jahren des Erwerbslebens deutlich an. Daraus ergeben sich entsprechende Folgen einer Versicherungslaufzeit bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze – die Beiträge fallen deutlich höher aus und damit monatlich stärker ins Gewicht.

Ist es vor dem Hintergrund dieser Tatsache also noch sinnvoll, sich für ein hohes Endalter zu entscheiden? Regelmäßig wird in Beratungsgesprächen auf eine Verkürzung der Lautzeit mit dem Zweck entsprechend niedriger Prämien verwiesen. Wie stark sich dies auswirken kann, zeigen Schätzungen des BdV (Bund der Versicherten). Demnach entspricht der Unterschied zwischen einer BU-Versicherung mit dem Endalter 67 Jahre und einer Absicherung, die mit 60 Jahren endet, rund 100 Prozent.

Absicherung bis: 55 Jahre 60 Jahre 63 Jahre 65 Jahre
BU-Rentenhöhe: 1.500 Euro 1.500 Euro 1.500 Euro 1.500 Euro
mtl. Tarifbeitrag (brutto): 61,26 Euro 91,91 Euro 118,72 Euro 140,63 Euro
Differenz (in %)1:

-

50,03 93,80 126,67

Übersicht zum Einfluss der Versicherungsdauer auf die Beitragshöhe in der Berufsunfähigkeitsversicherung (Quelle: HUK COBURG Beitragsrechner; Versicherungsnehmer männlich, 30 Jahre alt, kein Todesfallschutz, kein Raucher, Risikosport und Vorerkrankungen, BMI 24,7, Berufsklasse 2, gewählter Tarif Premium BUZ, kein erhöhter Todesfallschutz, monatliche Zahlweise)
)1 – prozentuale Differenz zwischen Versicherungsdauer bis 55 Jahre

Absicherung bis: 55 Jahre 60 Jahre 63 Jahre 65 Jahre 67 Jahre
BU-Rentenhöhe: 1.500 Euro 1.500 Euro 1.500 Euro 1.500 Euro 1.500 Euro
mtl. Tarifbeitrag (brutto): 66,07 Euro 102,37 Euro 134,63 Euro 161,20 Euro 192,06 Euro
Differenz (in %)1:

-

54,94 103,77 143,98 190,69


Übersicht zum Einfluss der Versicherungsdauer auf die Beitragshöhe in der Berufsunfähigkeitsversicherung (Quelle: CosmosDirekt Beitragsrechner; Versicherungsnehmer männlich, 30 Jahre alt, Einzelhandelskaufmann Berufsklasse 2, klassischer BU-Schutz Comfort, kein erhöhter Todesfallschutz, monatliche Zahlweise)
)1 – prozentuale Differenz zwischen Versicherungsdauer bis 55 Jahre

Vergleich zwischen der Beitragsentwicklung in Abhängigkeit von der Versicherungsdauer für zwei zufällig ausgewählte Anbieter der Berufsunfähigkeitsversicherung (für die HUK Coburg war eine Absicherung über das 65. Lebensjahr für den Modellversicherten hinaus nicht möglich)

Aus den Berechnungen mithilfe des öffentlich zugänglichen Beitragsrechners lässt sich deutlich ablesen, wie sich die Prämien in der BU-Versicherung mit ansteigender Versicherungsdauer entwickeln. Besonders in der Endphase der Versicherungszeit haben wenige Jahre eines höheren Schutzes erhebliche Auswirkungen. Dass sich der hochwertige Schutz dennoch rechnet, verdeutlicht das Beispiel zur Versorgungslücke bei einem niedrigeren Endalter. Gibt es aber Situationen, in denen sich die Verkürzung der Versicherungslaufzeit rechnet?

Keine pauschal kaum zu beantwortende Frage, da es an dieser Stelle immer auf die Berücksichtigung der individuellen Lebenssituation ankommt. Beispielsweise spielt eine Rolle, inwiefern die Altersvorsorge bereits vor dem 67. Lebensjahr beginnen kann. Gerade private Renten- oder Lebensversicherungen könnten den Zeitraum zwischen Ende der BU-Versicherung und dem Beginn der gesetzlichen Rente überbrücken. Hier muss aber sicher sein, dass keine Lücke in den Einkünften entsteht. Jeder Versicherungsnehmer muss sich selbst fragen, welche Regelung für die eigene Situation sinnvoll ist und einen angemessenen Schutz realisieren kann. Allein vor dem Hintergrund eines niedrigen Beitrags die Versicherungsdauer zu reduzieren, führt andernfalls schnell in eine trügerische Sicherheit, die letzten Endes keinen Wert mehr besitzt.

Tipp: Einige Tarife ermöglichen eine zeitliche Trennung zwischen dem Versicherungsendalter und der Rentenzahldauer. Beispiel: Die Versicherung endet zwar mit 60 Jahren, tritt bis dahin aber Berufsunfähigkeit ein, leistet der Versicherer noch bis zum 65. Lebensjahr.

Im Rahmen mit der Versicherungsdauer einer Berufsunfähigkeitsversicherung problematisch wird mitunter nicht nur der Zusammenhang zwischen Beitragshöhe und Versicherungszeit. Auch die Ausgestaltung der Versicherung durch die Unternehmen spielt eine Rolle. Trotz Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre ist es immer noch nicht überall möglich, eine BU-Versicherung bis zu diesem Alter abzuschließen. Zudem kann es vor dem Hintergrund bestimmter Berufe zu weiteren Einschränkungen kommen.

Fazit: Die Versicherungsdauer ist heute immer noch einer der Bereiche in der BU-Versicherung, welcher seitens vieler Verbraucher unzureichend Aufmerksamkeit genießt. Die Folge sind Versorgungslücken, die sich aus zu kurzen Laufzeiten der Tarife ergeben, was im Ernstfall zu erheblichen Schwierigkeiten führt. Endet die Absicherung mit 60 Jahren, kann sogar die Situation eintreten, dass selbst private Elemente der Altersvorsorge noch nicht greifen. Was in einer solchen Situation bleibt, ist die Grundsicherung und ein tiefer Einschnitt in den Lebensstandard der Betroffenen. Eine umfassende Versicherungsdauer muss daher letztlich das Ziel einer angemessenen Vorsorge gegen Berufsunfähigkeit sein.

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