Die Unfallversicherung für Senioren

Inhaltsübersicht


Nicht nur Kinder und berufstätige Erwachsene sehen sich im Alltag einem gewissen Unfallrisiko ausgesetzt – auch ältere Menschen müssen damit rechnen, Opfer eines Unfalls zu werden. Aufgrund der besonderen gesundheitlichen Umstände besteht hier zudem ein erhöhtes Risiko schwerwiegender Gesundheitsschäden. Versicherer bieten Senioren spezielle Unfallversicherungen an, mit denen sich alltäglichen Gefahren begegnen lässt. Inwiefern sind solche Assekuranzprodukte aber sinnvoll? Und benötigen Senioren überhaupt noch einen Unfallschutz?

Ein wichtiger Punkt vorweg: Ältere Versicherungsnehmer, die sich für den Abschluss einer Unfallversicherung interessieren, sind gut beraten, die Tarifbestimmungen sehr genau zu prüfen. An verschiedenen Stellen tauchen in den Versicherungsbedingungen nämlich Klauseln auf, die Leistungen ab einem gewissen Alter – wie die Invaliditätsleistung – einschränken bzw. auf deren Grundlage der Vertrag ganz erlischt. Die Altersgrenzen können von Gesellschaft zu Gesellschaft deutlich variieren – wie die zwei nachfolgenden Beispiele bereits zeigen. Darüber hinaus müssen Senioren berücksichtigen, dass zum Zeitpunkt der Antragstellung pflegebedürftige Personen im Regelfall sich nicht mehr versichern können.

Debeka Unfallversicherung HUK Coburg
Höchstaltersgrenze (führt automatisch zum Vertragsende mit dem entsprechenden Versicherungsjahr):
  • Vollendung des 80. Lebensjahres
  • Erreichen des 85. Lebensjahres

Beispiel für Regelungen zur beitragsfreien Fortführung der Unfallversicherung für Kinder (Quelle: Allgemeine und Besondere Bedingungen der jeweiligen Versicherungsunternehmen:
- AUB 2008 der Debeka; Stand v. 01. Oktober 2012
- AUB 2012 der HUK Coburg; Stand 01. Oktober 2012

Warum auch in hohem Alter gegen Unfälle schützen?

Grundsätzlich sind die Ansprüche, die ältere Versicherungsnehmer an die private Unfallversicherung stellen, andere als Berufstätige oder vielleicht Eltern für ihre Kinder. Komplett außer Acht lassen sollte man den Versicherungsschutz dennoch nicht. Gerade Stürze erhöhen im Alter das Risiko komplizierter Knochenbrüche und damit einhergehend die Wahrscheinlichkeit, in der Bewegungsfähigkeit Einschränkungen unterworfen zu sein.

Die Konsequenz wäre die Notwendigkeit zum Um- oder Ausbau der Wohnung, was letztlich mit erheblichen Kosten verbunden sein kann. Eine Belastung, die sich aus den Ersparnissen mitunter nur bedingt stemmen lässt. Stattdessen kann die Invaliditätsleistung einer Unfallversicherung diese Funktion übernehmen und den Alltag zumindest unter dem finanziellen Aspekt deutlich vereinfachen. Dennoch muss jeder einzelne Versicherungsnehmer auch hier mehr als nur den Beitrag verschiedener Tarife vergleichen – es kommt immer darauf an, was in der privaten Unfallversicherung für Leistungen stecken.

Und gerade, wenn Senioren allein im Haushalt leben, ist nicht nur finanzielle Unterstützung vonnöten, auch im Haushalt und bei der Pflege sind Betroffene mitunter auf Hilfe angewiesen. Welche Schlüsse lassen sich aus diesen Tatsachen für die Unfallversicherung ziehen?

Hilfeleistungen rücken in den Mittelpunkt

Geraten Senioren nach einem Unfall in die Situation, dass Hilfe im täglichen Leben nötig wird, kann sich die abgeschlossene Unfallversicherung als Fehlgriff erweisen – wenn der Versicherer nur beratend tätig wird und Experten benennt. Stattdessen sollte eine Unfallversicherung, die sich an den Bedürfnissen älterer Versicherungsnehmer orientiert, mehr leisten.

Nur echte Hilfe im Haushalt, wie eine Betreuung bei alltäglichen Handgriffen, die Begleitung zu Behördengängen und Arztbesuchen oder Hilfe beim Bewältigen der täglichen Hausarbeiten kann den Ansprüchen eines fortgeschrittenen Lebensalters gerecht werden. Punkte, die wichtig werden, wenn keine anderen Alternativen – wie die Pflege durch Angehörige – mehr in Frage kommen.

Leider gehen nicht alle Tarife, die im Rahmen der Unfallversicherung derzeit angeboten werden, soweit. Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Die Frage nach der Art und Weise jener finanziellen Absicherung, die eigentlicher Kern der privaten Unfallversicherung ist. Hier verschiebt sich im höheren Lebensalter nicht nur der Bedarf. Im Gegensatz zu jungen Erwachsenen, die am Beginn ihres Erwerbslebens stehen, kann die Invaliditätsleistung für Senioren niedriger ausfallen. Ein Grund für dieses Argument ist die Tatsache, dass der Anspruch auf die Altersrente durch die Unfallfolgen nicht mehr beeinflusst wird.

Zudem ist aufgrund des Alters der Einschluss einer Unfallrente in die Unfallversicherung aus Sicht vieler Experten nicht sinnvoll – der einmaligen Auszahlung der Versicherungssumme als Leistung wird eindeutig der Vorzug gegeben.

Senioren treten der Unfallversicherung mit anderen Ansprüchen gegenüber. Da Pflege- und Hilfeleistungen im Regelfall nicht zu den Standard-Versicherungsleistungen gehören, bleibt letztlich nur der Griff zu entsprechenden Zusatzbausteinen. In diesem Zusammenhang ist grundsätzlich der genaue Blick in die Versicherungsbedingungen empfehlenswert. Denn Aussagen der Info-Broschüren sind mitunter nur die halbe Wahrheit. Wesentliche Leistungseinschränkungen – wie etwa eine zeitliche Befristung von Fahrdiensten oder Haushaltshilfen – stellen den Nutzen mancher Assistance.Bausteine in Frage. Zudem tauchen in den Versicherungsbedingungen der einzelnen Versicherungsgesellschaften Einschränkungen auf, welche die Aufrechnung von Ansprüchen Dritter betreffen. So führt beispielsweise ein Anspruch gegen die gesetzliche Pflegeversicherung dazu, dass in dem einen oder anderen Fall der Versicherer keine Leistungen mehr im Bereich der Pflege erbringt.

Gebrechlichkeit: Mitwirkungsklauseln beachten

Auf eine Besonderheit im Zusammenhang mit der Unfallabsicherung für Senioren weisen nicht nur Assekuranzfachleute, sondern auch Verbraucherorganisationen wie der Bund der Versicherten hin – die Mitwirkungsklauseln von Vorschäden in den Verträgen. Entsprechendes wird seitens der privaten Unfallversicherer in die Tarif- und Versicherungsbestimmungen regelmäßig eingearbeitet, kann sich für Senioren aber nachteilig auswirken.

Hintergrund: Mit zunehmendem Alter wächst die Wahrscheinlichkeit für Vorschäden, die seitens der Versicherung als für die Unfallfolgen mitverantwortlich angesehen werden können. Die Folge wären letztlich Leistungsminderungen durch die Anrechnung der Vorschäden. Ältere Versicherungsnehmern wird aus diesem Grund zu Tarifen geraten, in denen Vorschäden nicht bereits ab 25 Prozent eine Rolle spielen, sondern erst bei höheren Beteiligungen.

Die Progression verliert an Bedeutung

Was im jungen Erwachsenenalter wichtig war, verliert im Alter an Bedeutung. Eine Motto, dessen Gültigkeit sich auch auf die Unfallversicherung ausdehnen lässt – und unter anderem auf die Progression zutrifft. Gibt sie Versicherungsnehmern die Sicherheit, im Fall einer hohen Invalidität finanziell überdurchschnittlich abgesichert zu sein, sinkt deren Nutzen für Senioren. Aufgrund der finanziellen Sicherheit, welche die Altersrente bietet, verliert die Progression an Bedeutung – sie wird zu den Leistungsbereichen der Unfallvorsorge, die im Alter verzichtbar sind.

Ein Grundsatz, der im Übrigen auch für die Unfallrente gilt. Für beschäftigte Versicherungsnehmer Teil der Vorsorge, kann sie für den Unfallschutz im Seniorenalter eher als nachrangig angesehen werden. Die Unfallversicherung sollte stattdessen eine angemessene Einmalzahlung bei Invalidität erbringen, auch Hilfestellungen berücksichtigen und dem Versicherten die Wahl lassen, in welcher Form er die Kapitalleistung abruft.

Die Ansprüche, welche eine Unfallversicherung für Senioren zufriedenstellen muss, unterscheiden sich also deutlich von jenen, die für eine Kinder- und Erwachsenen-Unfallversicheurng gelten.

So sollten die Senioren-Tarife:

  • Vorschäden erst ab einem hohen Mitwirkungsanteil berücksichtigen,
  • möglichst umfangreiche Hilfestellungen im Rahmen der Haushaltsführung und Pflege bieten,
  • den Versicherungsschutz ein Leben lang leisten und nicht nach wenigen Jahren auslaufen lassen.

Unfallversicherung regelmäßig prüfen

Grundsätze, die nicht nur für Verbraucher gelten, die auf der Suche nach einer Unfallabsicherung für Senioren sind. Auch wer bereits eine Unfallversicherung abgeschlossen hat und inzwischen an der Schwelle zum Ruhestand steht, sollte einen Blick auf den bestehenden Unfallschutz werfen. Denn mit hoher Wahrscheinlichkeit passen Leistungsbestandteile, die man während des Erwerbslebens geschätzt und besonders berücksichtigt hat, jetzt nicht mehr zu den Bedürfnissen, die sich aus dem neuen Lebensabschnitt ergeben.

Übrigens: Für die Einmalzahlung aus der Unfallversicherung und gegen die Unfallrente spricht ein weiterer Punkt – die steuerliche Behandlung. Während die Invaliditätsleistung steuerfrei bleibt, müssen auch Senioren die Unfallrente versteuern.

Beitrag in der Senioren Unfallversicherung

Für Erwachsene zwischen 18 und 65 richtet sich der Beitrag in der Unfallversicherung im Wesentlichen nach den Leistungen und dem ausgeübten Beruf. Definiert dieser doch letztlich maßgeblich das Unfallrisiko mit. Für Senioren fällt die berufliche Tätigkeit allerdings weg, die Versicherer legen stattdessen vermehrt Wert auf das Lebensalter für die Beitragsberechnung. Wie diese aussehen kann, zeigt unter anderem untenstehendes Beispiel, welche sich auf die AUB bzw. die Produktinformationen der HUK Coburg zur privaten Unfallversicherung bezieht.

65 66 67 72 76 79
Invaliditätsleistung (je 1.000 Euro)
- Mehrleistung 1,03 Euro 1,11 Euro 1,20 Euro 1,76 Euro 2,39 Euro 3,01 Euro
- 225 % 1,08 Euro 1,17 Euro 1,26 Euro 1,86 Euro 2,53 Euro 3,19 Euro
- 500 % 1,30  Euro 1,40 Euro 1,51 Euro 2,21 Euro 3,01 Euro 3,79 Euro
Todesfallleistung (je 1.000 Euro)

0,82 Euro

Unfallrente (je 100 Euro) 5,83 Euro 6,30 Euro 6,80 Euro 9,98 Euro 13,58 Euro 17,11 Euro
KHT (je Euro Tagegeld)

1,07 Euro

Beitragstabellen der HUK Coburg für die private Unfallversicherung für Personen 65 Jahre. (Quelle: Produktinformationsbroschüre der HUK Coburg zur Unfallversicherung Classic und der Kinderversicherung Stand Oktober 2012)
)1 der Beitrag wird jährlich an das Alter der Versicherten angepasst, es handelt sich  lediglich um einen Ausschnitt der Beitragssätze

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