Rundumschutz oder nur ein Baustein

Unfälle tauchen im Alltag immer wieder auf. Viele Verbraucher sind der Meinung, gerade am Arbeitsplatz einem besonders hohen Risiko ausgesetzt zu sein. Ein Blick in die Statistik zeigt aber, dass die Zahl der Unfälle, gemessen zum Gesamtunfallgeschehen, hier gering ist. Ein erhöhtes Gefährdungspotenzial geht stattdessen von den Risiken der Freizeit aus, etwa bei Sport, Hobby oder Gartenarbeit. Das Problem: Die gesetzliche Unfallversicherung greift in diesem Fall nicht.

Vergleich zwischen der Entwicklung des Unfallgeschehens in den Bereichen Heim/Freizeit sowie Arbeitsunfall- und Schülerunfallgeschehen (zzgl. Wegeunfälle; Quelle: DGUV-Statistiken für die Praxis 2010; Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. und Unfallverletzungen in Heim und Freizeit; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin)

Verbraucher, die außerhalb ihrer versicherten Tätigkeit durch einen Unfall einen Gesundheitsschaden erleiden und eine Erwerbsminderung davontragen, finden sich in einer Deckungslücke wieder. Diese lässt sich schließen – durch die private Unfallversicherung (PUV). Letztere greift genau dann, wenn die gesetzliche Unfallversicherung ihre Leistung verweigert – außerhalb der versicherten Tätigkeit. Auf den ersten Blick ist die private Unfallversicherung damit die scheinbar perfekte Rundum-Versorgung.

Unfallversicherung: Schutz mit angezogener Handbremse?

Allerdings offenbart auch die private Unfallversicherung gewisse Schwachstellen, denen sich Verbraucher und Versicherte bewusst sein müssen. Dazu gehört die Tatsache, dass seitens der privaten Unfallversicherung nur ein begrenztes Spektrum möglicher Risiken gedeckt wird. Denn auf den Versicherungsfall findet eine ähnliche Definition wie im gesetzlichen Pendant Anwendung:

  • der Versicherungsfall muss durch ein äußeres Ereignis ausgelöst werden und
  • zu einer physischen Schädigung des Versicherten führen.

Die private Unfallversicherung lässt damit Bereiche, in denen ein Gesundheitsschaden durch Krankheit entsteht, außen vor. Zumal ein zweiter Aspekt hinzukommt: Die Unfallversicherung kommt häufig der Leistungspflicht in Form einer Einmalzahlung nach, die Ansprüche der Versicherten sind damit abgegolten. Finanzieller Bedarf, der zu einem späteren Zeitpunkt entsteht, kann dann möglicherweise ungedeckt bleiben.

Warum dann eine private Unfallversicherung überhaupt abschließen? Eine durchaus berechtigte Frage lässt sich doch speziell unter dem Aspekt der Einkommenssicherung mit anderen Vorsorgeinstrumenten ein breiteres Spektrum möglicher Risikobereiche abdecken. Allerdings stoßen verschiedene Personenkreise hier regelmäßig auf Probleme.

Unfallversicherung: Eine sinnvolle Ergänzung

So kann die Absicherung im Rahmen einer Berufsunfähigkeitsversicherung dann ins Leere laufen, wenn Betroffene – etwa aufgrund der beruflichen Tätigkeit oder aus anderen Gründen (z. B. Vorerkrankungen) – als nicht versicherbar gelten. In dieser Situation ist die Unfallversicherung durchaus eine alternative Option, die in Kombination mit der Erwerbsunfähigkeits- oder Grundfähigkeitsversicherung ein grundlegendes Vorsorgenetz aufspannen kann.

Als weiteren Vorteil kann die Unfallversicherung für sich in die Waagschale werden, dass zu deren Leistungsumfang nicht nur die reine Kapitalleistung (als Rente oder Einmalzahlung) gehört, sondern je nach Tarif die Unternehmen eine kosmetische Behandlungen, der Bergung nach dem Unfall oder den Rücktransport usw. übernehmen. Und anders als etwa die BU-Versicherung (Berufsunfähigkeitsversicherung), deren Leistung in einer Rente besteht, kann die private Unfallversicherung kapitalisiert werden. Dies kann zum Beispiel den barrierefreien Umbau des Wohnumfeldes finanzieren – Spielraum, der im Fall einer Rente fehlt.

Zu guter Letzt noch ein weiterer Hinweis: Einigen Personengruppen steht eine Absicherung der Erwerbsfähigkeit nicht zur Verfügung. Dies wären zum Beispiel Ruheständler oder Kinder ohne Ausbildung. Eine Unfallversicherung kann hier – gerade vor dem Hintergrund der drohenden Unfallrisiken – zumindest grundsätzlich Vorsorge leisten. Damit ist diese Form der Absicherung für sich genommen kein abschließendes Rund-um-sorglos-Paket, sondern ein Baustein, welcher den Versicherungsschutz bei Bedarf sinnvoll ergänzen kann.

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